Tinos ist eine griechische Insel, die zur Inselgruppe der Kykladen gehört. Sie ist die wichtigste Marien-Wallfahrtsstätte Griechenlands. Im ganzen Jahr, vor allem am 25. März und zu Mariä Himmelfahrt am 15. August strömen mehrere zehntausend Pilger in die Wallfahrtsbasilika der Gottesmutter (Panagia Evangelistria), um das wundertätige Marienbild zu verehren.

Arnados, Veranstaltungsort unseres Sommerkurses, ist mit etwa 500m das höchstgelegene Dorf der Insel und bietet eine eindrucksvolle Aussicht auf die umgebende Inselwelt. Es liegt in unmittelbarer Nähe des im 10. Jahrhundert gegründeten Klosters „Kechrovouniou“. Arnados ist ein ruhiges (autofreies!) Bergdorf – geprägt von traditionellen alten Steinhäusern und durchzogen von einem eigentümlichen Labyrinth schmaler Gassen und Gänge. Die natürliche Herzlichkeit und Gastfreundschaft seiner etwa 40 Einwohner macht den Aufenthalt hier zu einem besonderen Erlebnis.

Tinos ist sehr bergig; die höchste Erhebung ist der Tsiknias mit 726m Höhe. An zentraler Stelle ragt der 641m hohe Exombourgo steil empor. Zur Zeit der venezianischen Herrschaft über die Insel im 13. und 14. Jahrhundert thronte hier eine mächtige Stadt- und Festungsanlage, deren Überreste noch heute zu erkennen sind. Eigenartige Landschaftsbilder findet sich in der Gegend um Volax. Ein weiter Landstrich ist hier übersät mit gigantischen mitunter haushohen Felsbrocken, die – teils rundgewaschen wie Kieselsteine, teils zu bizarren Gestalten geformt – die Landschaft wie eine urzeitliche Fantasiewelt erscheinen lassen. Da bei den Bodenschätzen der Insel Marmor an erster Stelle steht, begegnet man im Strassenbild der meist kleinen Ortschaften auf Schritt und Tritt marmornen Kunst- oder Gebrauchsobjekten. Berühmt ist Tinos besonders für seinen grünen Marmor, der etwa beim Ausbau des Buckingham Palace und des Louvre Verwendung fand. Die Berge und Hügel von Tinos sind fast vollständig mit jahrhundertealten Steinmauern terrassiert, und jedes kleine Dorf hat Verbindungswege zu seinen unmittelbaren Nachbarn, die durch ein paralleles Paar solcher Mauern befestigt sind. Tinos ist auch bekannt für seine Sandstrände, die vom Massentourismus nahezu unberührt sind. Verglichen mit anderen Kykladeninseln wie Mykonos oder Santorin geniesst Tinos das Privileg, noch nicht in den Fokus der Tourismusindustrie geraten zu sein, und konnte sich so weitgehende Ursprünglichkeit bis heute bewahren. Sehr zu empfehlen ist, von Tinos aus eine Tagesreise zur unbewohnten Antikeninsel Delos mit ihren berühmten Tempelanlagen zu unternehmen (UNESCO-Welterbe).

Das mediterrane Klima von Tinos kennt warme und trockene Sommer sowie milde und feuchte Winter. Tinos ist bekannt als die Insel des Windes. Charakteristisch sind die phasenweise auftretenden starken Nordwinde – „Meltemi“ genannt – die tagsüber herrschen, nachts hingegen meist wieder nachlassen. Dieses Phänomen sorgt bis zu einem gewissen Grad dafür, dass extrem heisse Sommertemperaturen auf Tinos eher selten sind. Im antiken Griechenland sah man den Berg „Tsiknias“ als den Wohnort des Windgottes Aeolos an.

Eine Reise nach Tinos gestaltet sich – verglichen mit anderen Inseln der Ägäis – durchaus unkompliziert: Tinos hat – ob im Winter oder Sommer – tägliche Schiffsverbindung nach Rafina, von wo der Athener Flughafen schnell zu erreichen ist. Darüberhinaus besteht in vergleichbarer Frequenz eine Verbindung nach Mykonos mit seinem internationalen Flughafen.